Geschichte der kleinen Guzzis


Anfang der siebziger Jahre verkauften sich die großvolumigen Modelle auf Basis der V7 sehr gut. Moto Guzzi hatte keine Probleme, mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Doch im Bereich der kleinvolumigen Einsteigermodelle gab es nur die Nuovo Falcone, die mit ihren 27 PS aus 500ccm dem durch die Japaner angekurbeltem Mehrzylinderwettrüsten nicht gewachsen war.
1973 stieg der 1928 in Buonos Aires geborene Alejandro Tomaso bei Moto Guzzi ein, der zu diesem Zeitpunkt bereits über 80% von Benelli besaß. Er startete die Entwicklung der Mehrzylindermodelle, wie z.B. der 254, die es sowohl von Benelli, als auch von Moto Guzzi gab. Doch der Verkauf floppte, da die japanischen Mehrzylinder bedeutend preiswerter zu haben waren. Tomaso sah aber eine Marktchance in dem erfolgreichen Konzept des 90° V2, der viele Fans gefunden hatte. Es sollte also auch in den kleineren Hubraumklassen eine typische Guzzi entstehen.
Chefkonstrukteur Lino Tonti bekam also den Auftrag, einen 90°V2 mit 500ccm als auch mit 350ccm zu bauen, der nach dem Baukastensystem, also kostengünstig zu bauen sein sollte. Nach nur einem Jahr waren die ersten Prototypen fertiggestellt, die ein Design von Bertone erhielten und 1976 in Köln vorgestellt wurden.
Der neue Motor war besonders wartungsfreundlich ausgelegt. Das Kurbelgehäuse war horizontal geteilt. Der aus dünnem Stahlrohr gefertigte Rahmen war mit dem mittragenden Motor-Getriebe-Block mit nur mit sechs Bolzen verbunden, was es ermöglicht, den Motor mit samt Getriebe leicht auszubauen.
Auch die von Guzzi und Brembo entwickelte Integralbremsanlage wurde in die kleine Serie verbaut, die nach Werksangaben den Bremsweg aus 100km/h gegenüber herkömmlichen Bremsen um ganze 25% verringern sollte.
Anfänglich konnten sich die kleinen Modelle gut behaupten. Besonders die Einführung des Stufenführerscheins ließ die Verkaufszahlen steigen, doch der hohe Preis, besonders der V35III führten zur Einstellung der „Kleinen“.
Als Nachfahren der V50er und V35er Serie erschienen 1981 die v65er und 1985 die 75er Reihe, von der die aktuelle V750 Breva sowie die V75 Nevada Club direkt abstammen. In Japan wurden außerdem noch zwei V40 Modelle angeboten, die baugleich mit der V35 ImolaII waren, deren Bohrung aber geändert wurde.